Wo die kleinen Wichtel wohnen

Familientaugliche Wanderung vom Luegsteinsee zum Grafenloch

Wer mit Kindern wandern gehen will, der kennt das Problem: Mama und Papa wollen die Natur erleben, wandern, Höhenmeter machen, Gipfel erreichen. Und die Kinder? Die wollen Stöcke sammeln, Schnecken beobachten und eigentlich am liebsten nach zehn Metern wieder Brotzeit machen.

Will man trotzdem weiter als bis zur nächsten Bank kommen, muss man sich deshalb oft einiges einfallen lassen.

Was bei uns (fast) immer hilft: Geschichten erzählen, Märchen erfinden.

So kommt es, dass ich mir am Berg oft eher als Alleinunterhalter vorkomme, der lauthals singt, rennt, springt und erzählt. Kasperletheater mit Berganschluss, sozusagen.

Hochmotivierte Wanderzwerge

Eine Wanderung, die es Eltern aber wirklich leicht macht, die Wanderzwerge zu motivieren, ist die Wanderung vom Luegsteinsee zum Grafenloch in Oberaudorf.

Sie ist mit 150 Höhenmetern eher kurz und dank des abwechslungsreichen Weges auch für die ganz Kleinen gut zu meistern.

Ich weiß noch, wie ich als Fünfjährige mit Oma in den Sommerferien fast jeden Tag oben war, in der Hoffnung, ENDLICH diese Zwerge zu sehen, die laut Oma da wohnen. 

Hat nie geklappt. Meiner Motivation hat das aber komischerweise auch keinen Abbruch getan.

Jetzt, fast 30 Jahre später, bin ich diejenige, die schon unten am See anfängt, unter jeder Wurzel Wichtel zu vermuten und Louise zu erzählen, dass da oben in der großen Höhle alle Wichtel wohnen.

Eigentlich webt sich um das Grafenloch eine ganz andere Sage. Nämlich, dass dort ein gieriger Sohn vom Blitzschlag getroffen wurde, nachdem er seine Eltern ermordet hat. Nix für Zweieinhalbjährige finde ich. Dann lieber Wichtel.

Bike&Hike in Miniaturversion

Los geht unser Ausflug heute: zuhause. Der Luegsteinsee liegt nur ein paar Minuten von uns entfernt, deswegen schwingen wir uns aufs Radl, sausen einmal durch das Dorf und schon sind wir da. Am Weg gibt’s noch ein paar Brezen für die Brotzeit und dann starten wir unseren Ausflug am Luegsteinsee.

Von der hinteren Seite des Sees aus führt ein kleiner, netter Steig direkt in den Wald hinein. Neben uns rauscht der Bach und alles riecht nach blühendem Bärlauch. „Riecht nach Pizza“, findet Louise.

Schon bald höre ich die ersten „Broootzeiit“-Rufe. Zum Glück sind gleich hinter der nächsten Kehre ein paar schöne Boulderfelsen, an denen Mama und Papa schnell ein bisserl herumbouldern, bis auch Louise Blut geleckt hat und „klettaaan“ statt Brotzeit will.

Danach ist die Motivation auch wieder hoch, denn gleich oberhalb fließt ein Bach mitten über den Weg, wo wir unsere Dreckfinger waschen können. 

Nach ein paar kleinen Kehren durch den frühlingshaft grünen Wald gelangen wir schon an eine große Infotafel, die uns über die Höhlenlandschaft und das Grafenloch unterrichtet. Direkt dahinter befindet sich eine Tafel mit dem Hinweis „Alpiner Steig. Absturzgefahr!“. Ab an die Hand, Louise. Das gibt zwar Protest, ist mir aber egal. Es geht nämlich rechts tatsächlich ziemlich steil runter.

Schon bald gelangen wir auch an eine Passage, die mit Drahtseil gesichert ist. Louise ist natürlich SO stolz, dass sie dort „aleeine“ gehen darf. Ich drücke ihr wahrscheinlich bald die Hand ab, weil ich sie so fest halte.

Direkt danach gelangen wir zu einer steilen Stahltreppe, die uns direkt in die Höhle führt. Endstation für Louise. Ab auf Mamas Arm. Und für weniger Geübte: besser ab in die Kraxe/Trage, damit man selbst zwei Hände frei hat zum Festhalten.

Die Wichtel und die Butterbreze

In der Höhle angekommen, rennt Louise direkt rein in die Höhle und ruft „Wiiiichteeeel. Wo seeeiiid iiihhr? Hab Breeeeeezeeee!“. Klingt verlockend, oder? 

Die Wichtel zeigen sich heute trotzdem nicht. Dafür genießen wir jetzt unsere Brezen mit traumhaftter Aussicht in Richtung Süden und können sogar Omas Haus erspähen.

Louise interessiert sich mehr für die Züge, die dort in Richtung Brenner fahren und fragt uns Löcher in den Bauch, was diese Züge wohl so alles transportieren. Sicher Nudeln aus Italien. Und Pizza, klar.

Warum wandern, wenn man rennen kann?

Der anschließende Rückweg saust nur so dahin. Louise hat beschlossen, dass rennen viel cooler ist als laufen und ist in gefühlten 10 Minuten wieder zurück bei unseren Radeln. Dort zieht sie sich selbstbewusst Schuhe und Hose aus und steigt in den kleinen Bachlauf, der den See speist. Eiskalt ist das Wasser. Scheint sie nicht zu stören. Anschließend will sie natürlich auch gleich baden gehen. Davon können wir sie zum Glück abhalten, da wir einen ihrer Kindergarten-Freunde entdecken, mit dessen Eltern wir am See noch zum Klettern verabredet sind.

Direkt am See befindet sich nämlich praktischerweise eine kleine, feine Kletterwand mit Routen vom 6. bis zum 9. Schwierigkeitsgrad. Das bedeutet: zwei Elternteile klettern, die anderen beiden gehen mit den Kids auf den auf der anderen Seite des Sees gelegenen Spielplatz.

Dort ist auch ein kleiner Kinder-Badebereich abgesteckt, den Louise natürlich direkt entert. Mit Wollmütze und Wollpullover. Wer’s mag….

Wir haben von dort aus einen perfekten Blick auf die Wasser-Skisprungschanze, auf der die Jugendlichen gerade ihre wilden Sprünge in den See üben. 

Na, und wer danach natürlich unbedingt „will aaauuchh springeeen“ ruft, könnt ihr Euch ja mittlerweile denken….

Wanderung zum Grafenloch

Dauer: ca. 30 – 45 Minuten, 150 Höhenmeter

Schwierigkeit: Wanderweg über Wurzeln und Steige. Nur im letzten Teil kurze Passagen mit Seilversicherung. Vielleicht etwas haarig für nicht ganz Schwindelfreie…

Kinderwagentauglich? Nein. Aber Kraxen-Tragen- und selber-lauf-tauglich.

Wo gibt’s was zu essen? Am Luegsteinsee gibt’s im Sommer einen Kiosk, ansonsten Gasthäuser, Pizzerien, Bäcker und Eisdiele im Ortskern von Oberaudorf.

Und dann? Ab in den See! Ab auf den Spielplatz! Ab zum Sportklettern! Ab zum Audorfer Museum. Ab zum Weber an der Wand! Ab zur nächsten Höhle, der Ponorhöhle gegenüber! Rundherum gibt’s wirklich eine Menge zu entdecken.

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