Ökokind. Von Nachhaltigkeit und kleinen Sünden.

Meine Öko-Seele brennt.

Muss es denn wirklich sein, für ein, zwei Wochen mit dem Flieger auf die Kanaren zu ballern, anstatt das traumhafte nasskalte März-Winterwetter in Oberbayern zu genießen?

Wir haben es getan. Im März haben wir es nach diesem kalten Winter einfach nicht mehr ausgehalten, haben den nächstbesten Flieger genommen und sind spontan abgehauen ins Paradies.

Zuhause hingegen bin ich der Öko-Fanatiker schlechthin. Greta würde Augen machen!
Ich bin ich Mülltrennungs-Europameister, fahre alles, wirklich alles mit dem Rad und werde nicht müde, alle anderen dafür zu verurteilen, jeden Meter mit dem Auto zu fahren.

Ich kaufe kein Flugobst, keine Avocados, nichts in Plastik und keine bolivianischen Chia-Samen oder anderen Umwelt-Irrsinn.
Diesen ganzen Hype um jegliche Konsumgüter verstehe ich sowieso überhaupt nicht, kaufe alles, wirklich alles gebraucht und habe kein Problem damit, ein uraltes (Kinder-)Mountainbike zu fahren und meine Jeans habe ich teilweise seit 10 Jahren.
Das heisst ja nicht, dass man deswegen weltfremd, voll die Öko-Mutti ist, oder Trends verpasst – viele Dinge sind einfach völlig unnötig und gut gekleidet kann man auch mit Gebrauchtem sein.
Die wenigsten Skitourengeher im 2000 Euro- Goretex- Komplettoutfit frisch von Sport Schuster, Scheck und Co. sausen dadurch schneller den Berg hoch. Im Gegenteil. Mein Eindruck: je abgefuckter, desto stärker am Berg. Egal ob klettern, skifahren, oder bergsteigen. Es stimmt oft! Achtet mal drauf!

Wie auch immer: wir waren ja beim Fliegen.
Wie kann es denn nun sein, dass wir trotzdem noch munter durch die Welt fliegen?

Ja. Wir tun es. Es ist nicht gut. Ich weiß das. Meine Ausrede: wir fliegen ja als Airline-Crew nur standby, also nur, wenn eh ein Platz frei ist und kreieren dadurch keine Nachfrage.
Na ja. Zusätzliches Kerosin verbrauchen wir ja trotzdem.
Wenn man von einem Verbrauch von 3,5 Litern Kerosin pro 100 Flugkilometern ausgeht und die Entfernung Deutschland-Kanaren mit 4000 Kilometern angibt, kommt man immerhin auf mindestens 140 Liter Kerosin pro Person pro Strecke.
Für uns Drei, hin und zurück, sind es umgerechnet immerhin gute 14 Tankfüllungen für unser Auto. Das verfahren wir in zwei Jahren nicht.
Aber dann NIEMALS mit dem Auto zum Einkaufen fahren und lieber im strömenden Regen noch zur Kita radeln.

Absolut albern!

Kognitive Dissonanz nennt man das in Fachkreisen.
Man weiß, dass etwas falsch ist, macht es aber trotzdem.
In meinem Fall: ich weiß, dass ich auch 1000x zum Supermarkt mit dem Auto fahren könnte, wenn ich meinen Urlaub hier statt auf den Kanaren verbringen würde. Mach ich aber nicht.

Irgendwo muss man halt anfangen. Auch wenn mein Mann oft genug über mich lacht, wenn ich voll bepackt von oben bis unten inklusive Kind mit dem Fahrrad vom Einkaufen komme. Da muss manchmal schon die Kinderkapuze als Obstnetz herhalten.

Dennoch: man kann nicht alles richtig machen.
Jeder versucht es, jeder tut, was er kann.
Der eine kauft bei H&M und lebt dafür vegan. Der andere fliegt einmal im Jahr mit dem Flugzeug und büßt es über tausende Kilometer auf seinem uralten Mountainbike (ICH!), der andere liebt Avocados, kauft aber keinen Kaffee, der – was viele vergessen – in Sachen Anbaubedingungen sozial und ökologisch oft eine ziemliche Katastrophe ist.

Deswegen: Bewusst leben, reflektiert bleiben und andere nicht verurteilen! Keiner, ich bin mir sicher, keiner von uns lebt 100% ökologisch korrekt. Geht auch gar nicht. Sonst müssen wir jetzt direkt den Löffel abgeben.

Das könnte dir auch gefallen

Fernweh. Luxusproblem oder Krankheit?

Fernweh. Luxusproblem oder Krankheit?

Reisen ist unser Beruf und zuhause sein war dadurch während der letzten zehn Jahre mehr so eine Randerscheinung.

Mit Kind ändert sich das natürlich komplett. Von ein auf den anderen Tag gab’s Wochenbett statt Waikiki Beach und Apfelmus statt Moscow Mule.

read more
Werte. Was Kinder von den Bergen lernen können.

Werte. Was Kinder von den Bergen lernen können.

Was uns die Natur hier draußen oft lehrt, ist Demut. Wer einmal am Berg unterwegs war, kennt dieses Gefühl, sich ganz klein zu fühlen vor den hoch aufragenden Felswänden, die auf uns kleine Menschen herabschauen. Der Berg lehrt uns außerdem, was es heißt, zu scheitern. Auch wenn man sich noch so stark, und noch so groß fühlt, die Natur da draußen macht einem schnell mal einen Strich durch die Rechnung.

Was das alles mit meinem Dasein als Mutter zutun hat? Genau die Lektionen, die uns die Natur lehrt, soll auch Louise lernen.

read more
Konsum! Konsum! Konsum!

Konsum! Konsum! Konsum!

Besitz belastet.

Je mehr ich besitze, desto gestresster werde ich, so kommt es mir zumindest vor. Je mehr wir besitzen, desto mehr kann kaputt gehen, muss gepflegt werden und -irgendwann- vielleicht wieder in Kisten gepackt werden und mit umgezogen werden. Und je mehr man besitzt, desto mehr Entscheidungen muss man treffen.

read more