„Der Dino hat sein Ei verloren!“

Familientaugliche Rundwanderung zum Naturdenkmal Grauer Stein

Für Louise bedeutet „Berggehen“ seit Neuestem kaum mehr als „Picknicken“. Daran sind wir allerdings nicht ganz unschuldig. Direkt hinter Louises Kita liegt nämlich oben auf dem Berg ein kleiner Aussichtspavillon, auf dem wir in den letzten Monaten öfter ein kleines Picknick mit Freunden veranstaltet haben. Seitdem will Louise nur noch dort hoch zum Pavillon, da sie gelernt hat, dass es dort oben immer allerhand Leckereien gibt. Mal haben wir einen kleinen Kindergeburtstag mit Kuchen und Erdbeeren gefeiert, mal gab es einen kleinen Nachmittags-Apéro mit Bier und Sekt für die Großen und Apfelsaft für die Kleinen. 

Ausflugsziel für Schleckermäuler

Für uns ist die Rundwanderung zum Grauen Stein der perfekte Nachmittags-Ausflug, da so ein Picknick am Ziel zum Einen die optimale Weitergeh – Motivation für lauffaule Bergzwerge ist und wir zum anderen noch eine kleine Wanderung mit immerhin 200 Höhenmetern ins Kuchenessen integrieren können. Danach kann man sogar noch einen Sprung in den nahegelegenen Auerbach wagen, den dortigen Spielplatz besuchen, oder noch ein kühles Bier im Gasthof „Zum Bauern in Agg“ genießen, der auch einen super Spielplatz auf dem Gelände hat. Einfach nur irgendwo hinfahren, Decke raus, hinsetzen und essen ist einfach nicht so mein Ding. Ich werd dann ohnehin nur unruhig und auch Louise kriegt dann meistens nach dem Abendessen noch Hummeln im Hintern. Da soll sie aber schlafen und nicht rumhüpfen. Deswegen: erst auspowern, dann Picknick. Apropos auspowern: die Runde zum Grauen Stein und zum Aussichts-Pavillon, die wir Euch heute vorstellen, ist übrigens auch meine aktuelle Lieblings-Joggingrunde mit kleinem Trail – Anteil.

Wo geht’s heute hin?

Wir beginnen unseren Ausflug heute: zuhause. Mit dem Fahrrad radeln von Oberaudorf aus bis hinauf in den Oberaudorfer Ortsteil Agg, wo auch das gleichnamige Gasthaus „Zum Bauern in Agg“ steht.  Louise besucht dort noch ihre Lieblingspferde, die kennt sie nämlich schon vom Kindergarten.  Hä? Kindergarten? Ja, jede Woche ist dort Wandertag.  Und das Ziel sind oft die Pferde oben in Agg.  Glücklicherweise bekommen die Kinder dort auch immer ein Eis vom Bauern, deswegen ist dieses Ausflugsziel umso beliebter! Wir stellen unsere Räder in der Nähe der Pferdekoppel ab und beginnen unsere Wanderung direkt mit einer steilen Rampe über den Forstweg in den Wald hinein. Oben angekommen zweigt der Weg nach links ab, und führt uns durch einen wunderschönen schmalen Steig durch den dichten, sattgrünen Wald. Louise lässt sich ab hier ein wenig tragen, den kleinen Beinchen hat der steile Forstweg verständlicherweise ziemlich zugesetzt. Trotzdem sieht sie von meinem Rücken aus dauernd bunte Blumen, Schnecken und große Blätter, die ich mit einer Engelsgeduld einsammele und mitnehme.  Nach kurzer Zeit gelangen wir zu einer Lichtung, von wo aus wir einen schönen Blick zum Brünnstein haben und, natürlich, noch weitere Blumen pflücken. „Hier is gut für Picknick. Tu Decke raus!“ befiehlt mir Louise. Nix da, weiter geht’s! Auf dem Schild steht, dass es noch 25 Minuten bis zum Grauen Stein dauert, wir sind allerdings schon nach weniger als 10 Minuten da. 

Ein Dino-Ei im tiefen Wald

Bei dem Grauen Stein handelt es sich um einen riesigen Granitfindling aus der letzten Eiszeit, um den sich verschiedene Inntaler Sagen weben. Da diese aber alle recht düster und mystisch anmuten und für eine Zweieinhalbjährige doch eher schwere Kost darstellen, erzähle ich Louise lieber einfach, dass oben auf dem Berg ein riiiesengroßer Stein liegt, der so schwer ist, dass der dort nie wieder weggehen kann.  Auf stolze 25 Tonnen Gewicht wird der Findling nämlich geschätzt und schon die Römer und Kelten haben sich gefragt, wie dieser Granitblock den Weg hierher gefunden hat, sind doch die Berge rundherum alle aus Kalk. „Also ein Dino Ei?“ schließt Louise blitzschnell, die gerade in der vollen Dino-Phase gelandet ist. „Genau, ein Dino Ei.“ „Und wo ist der Dino?“ „Louise, Dinos sind schon lange tot. Die gibt’s nicht mehr. Die sind ausgestorben.“ „Aha. So wie Tulpen bei Oma. Auch tot“ Die sind auch tot. Weil du drauf getreten bist. Das stimmt. Logik einer Zweijährigen.

Ja, und wie kam der Stein denn nun an seinen Platz?

Hier bei uns in Oberaudorf verengt sich das Inntal zwischen dem Kranzhorn und dem Wildbarren. Die Gletscher der Eiszeiten formten damals dieses Tal und transportierten auch Massen an Gestein aus dem Hochgebirge zu uns ins Voralpenland.  Dieser Graue Stein wurde während der letzten Eiszeit dabei vom Gletschereis hierher transportiert und beim Abschmelzen des Eises an der Bergflanke abgelegt. Hier liegt er nun und beeindruckt Generationen über Generationen.

Von Klettergriffen und Ägyptern

An der Ostseite des Grauen Steins findet man sechs große Keiltaschen, die für Louise die idealen Klettergriffe darstellen. Ehe man sich versieht, ist sie schon hochgeklettert und winkt uns freudig von oben zu. Diese Keiltaschen sind übrigens wahre Zeitzeugen, da sie von einer urtümlichen Technik herrühren: der Keilspaltung, die schon die alten Ägypter angewendet haben. Früher wurde anscheinend auf verschiedenste Arten versucht, den riesigen Granitblock zu zerlegen. Hat alles nichts geholfen, der Granit war einfach stärker als der Mensch. Nachdem wir den Findling ausgiebig bewundert (und beklettert) haben, setzen wir unseren Weg in nordwestliche Richtung fort und folgen dem steilen Pfad bergab, der uns schon nach wenigen Minuten zur Abzweigung in Richtung Aussichtspavillon bringt. Von dort aus geht es noch einmal kurz bergauf, und schon sind wir da. Wir sind allein, wie meistens, und breiten Decke, Brotdosen, Brotzeitbrettl, Kaffeetassen und Wasserflaschen aus und machen es uns im Schatten des Pavillons gemütlich. 

Picknick mit Aussicht

Trotz des dichten Blätterwaldes haben wir Sicht auf Wilden und Zahmen Kaiser, das Geigelsteinmassiv, den Inn und Niederaudorf – gut zu erkennen am leuchtend gelben Kloster Reisach, wo Louise in jungen Jahren schon wilde Feste gefeiert hat. Innerhalb des Pavillons ist sogar noch eine Tafel angebracht, auf der alle umliegenden Gipfel illustriert und benannt sind. Louise studiert ausgiebig unser mitgebrachtes Picknick, wir die Gipfel ringsum. Nach dem Picknick geht’s für uns im Sauseschritt bergab, wir haben nämlich unsere Badesachen dabei und wollen auf jeden Fall noch in den Auerbach springen, bevor wir beim Gasthof Zum Bauern in Agg einkehren.  Dadurch kürzen wir jetzt den Rundweg ein wenig ab, da der Weg eigentlich vom Pavillon aus in nördliche Richtung hinab nach Niederaudorf führt, wir aber auf direktem Wege zurück zu unsere Fahrrädern wandern. Ich bin den Weg ohnehin heute früh nach dem Louise-in-die-Kita-Bringen schon gejoggt, dann ist ein wenig abkürzen durchaus erlaubt! Nach knapp 20 Minuten sind wir schon wieder unten bei den Fahrrädern und nach weiteren 5 Minunten liegen wir schon in einer der vielen kleinen Gumpen, die im Auerbach zu finden sind.  Die Abkühlung war auch dringend nötig, nach so viel Aufregung rund um Dinos, Eiszeiten und Blumenmeeren!

Rundwanderung zum Grauen Stein (721 Meter) 245 Höhenmeter, 4 Kilometer

Startpunkt: Gasthof „Zum Bauern in Agg“ im Oberaudorfer Ortsteil Agg, oder am Waldfriedhof Niederaudorf.

Gehzeit: Aufstieg zum Grauen Stein jew. ca. 45 Minuten. 10 Minuten weiter zum Pavillon. Rundweg ca. 1,5 Stunden.

Charakteristika: mäßig steiler bis steiler Forstweg oder Waldsteig mit vereinzelten Wurzeln, Felsen und Stufen. Nicht kinderwagentauglich! 

Mit Spielplatz, Bademöglichkeit und Einkehrmöglichkeit. 

 

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