Barfuß. Vom Leben eines Draußenkindes.

Morgens um 6:30 geht es los. Ich liege noch völlig schlaftrunken im Bett, Louise ist schon aufgesprungen, schnappt sich im Flur ihre Schuhe und macht mit einem nervtötenden “ähähäh” darauf aufmerksam, dass sie jetzt sofort rauswill. Jetzt? Es schüttet! Oh bitte. Lass mich dich noch kurz wickeln und lass mich einen halben mini Kaffee trinken. Bitte! Mehr will ich ja schon gar nicht. Und ja, dann geht’s auch sofort raus. Versprochen.

Ihr merkt, unser Leben spielt sich großteils draußen ab.
Wir haben den großen Vorteil, dass wir auf dem Land leben und um uns herum nicht viel ist außer Berge, Blumen, Kühe. Das macht es uns natürlich leicht. Schuhe braucht’s hier weniger als in der Stadt und eine Blumenwiese bietet natürlich den idealen Spielplatz für jedes Kind.

Deswegen war mir von Anfang an wichtig, dass Louise die Natur mit allen Sinnen kennenlernen und wertschätzen soll. Egal ob Regen, Schnee, oder Sturm – Louise will raus. Ihr ist das völlig egal, was da von oben kommt. Eigentlich hat sie ja auch recht, als Erwachsene ist man da echt schon ganz schön verweichlicht. Sie ist gerade verrückt nach allen Tieren, wie wahrscheinlich jedes Kind. Löwenzahn pflücken ist ihr größtes Hobby und ein Bach mit Kieselsteinen zum Reinwerfen das Größte.
Wir hatten auch schon Kieselsteine in der Windel, die definitiv nicht von außen kamen. Doof und gefährlich, ich weiß. Aber ist passiert.

Da wir uns vegetarisch ernähren, bekommt auch Louise kein Fleisch und liebt bisher Kürbis mehr als Nudeln, isst Gurken wie ich Schokolade und ist süchtig nach Brokkoli.

Wir probieren es diesen Sommer mal mit dem Projekt Selbstversorgung in Omas Garten im Nachbarort, den Rest liefert der Bauer von nebenan. Louise hilft schon fleißig beim Gießen und steckt liebend gerne Samen in die Erde. So lernt sie hoffentlich bald, dass so ein Brokkoli ganz schön viel Arbeit bedeutet, die Milch nicht aus der Packung kommt und ein Schnitzel mal ein Kalb war.

Was sie mit diesen Informationen macht, soll sie selbst entscheiden, aber vielleicht kann ich sie ja anstecken mit meiner Liebe zur Natur.

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